SYMBIOSIS forming with snow

Foto: Ilka Raupach

Projektinfos

Jahr: 2026

Studiengang:
InnenarchitekturArchitekturKommunikationsdesign und MedienProduktdesign

Betreuung:
Raupach, Ilka, Prof.

Teilnehmer*innen:
Aljoscha Schmidt, Ronja Wagler, Franz Kotte, Matthes Golz

Projektart:
EntwurfGruppenprojekt

SNÖFESTIVALEN Kiruna Snow Festival, Sweden, 21. - 24. Januar 2026

Diese fächerübergreifende Exkursion war eine Reise in den Schnee. 200 km über dem Nördlich Polarkreis formten wir (neben fünf weiteren Teams) aus zwei großen Blöcken aus Schnee, also jeweils 3 x 3 x 3 m, 27 Kubikmeter mit etwa 20 Tonnen Gewicht zwei begehbare Skulpturen. Das Konzept hatten wir noch kurz zuvor in Wismar experimentell entwickelt.

„JEAHKÁL“ (Sami = Rentierflechte)
Flechten sind eine symbiotische Lebensgemeinschaft aus einem Pilz und einer Alge. Flechten kommen vom Meeresspiegel bis in alpine Lagen unter verschiedensten Umweltbedingungen vor und können auf nahezu jeder Oberfläche wachsen. Sie sind an das Überleben in einigen der extremsten Umgebungen der Erde angepasst, wie der arktischen Tundra, heißen, trockenen Wüsten, Felsküsten sowie giftigen Abraumhalden. Flechten zählen zu den ältesten Lebewesen. Sie wachsen oft regelmäßig, sehr langsam, weniger als einen Millimeter pro Jahr, und benötigen Jahrzehnte, um sich nach Überweidung, Brand, Betreten oder anderweitiger Zerstörung zu erholen. Früher wurden Flechten aufgrund ihrer antibiotischen Eigenschaften zur Behandlung von Hautinfektionen verwendet. Sie dienten auch als Isolierungsmaterial und Feuchtigkeitsspeicher. Heute nutzt man sie als „künstliche Bäume“ in Architekturmodellen und als Schallabsorber. Flechten sind sehr empfindliche und wichtige Indikatoren für Luftverschmutzung. Und nicht zuletzt: Rentierflechten bilden die Hauptnahrung der Rentiere.


Die Kultur der Sami in Nordeuropa ist zutiefst mit der Natur, Landschaft und Rentierhaltung verbunden. Es ist eine uralte kraftvolle Symbiose in einem nun äußerst fragilen Zustand – durch Mensch und Natur gemachte Einflüsse.

„Utrymningsplan“ (Schwedisch = Evakuierungsplan) ist ein kristalliner, abwehrender und doch leitender Formenkanon, ein System von Gängen, die zum inneren Kern führen und von ihm nach außen weg. Es ist schwierig, sich zurechtzufinden. Ausgang ist Eingang. Die Schwere und Last nicht nur des Materials ist spürbar. „JEAHKÁL“ (Sami = Rentierflechte) ist ganz das Gegenteil davon – eine sich öffnende, fließende, weiche und beherbergende Form voller Leichtigkeit.

Die beiden Skulpturen aus Schnee greifen die Bedeutung in formal ganz unterschiedliche Weise auf und versuchen diese bemerkenswerten Symbiosen sichtbar und erfahrbar zu machen. Die Skulpturen stehen in Resonanz zueinander und dem sie umgebenden modernen urbanen Raum. Sie schaffen auf poetische Weise einen regionalen, kulturellen Bezug. Sie sind begehbare Orte der Begegnung und des Verweilens, an denen man über die Vergangenheit und unsere gemeinsame Zukunft nachdenken kann. 

Während des Schneefestivals standen wir im direkten Austausch und in Zusammenarbeit mit internationalen Eis- und Schneeexperten aus diversen gestalterischen Berufen. Wir besuchten zudem das nahegelegene ICEHOTEL in Jukkasjärvi (eine ephemere Architektur aus Eis und Schnee), die neue Kiruna Kunsthalle und das Kiruna Musikfestival. Die besondere städtebauliche Entwicklung Kirunas, der nördlichsten Stadt in Schweden, welche geprägt ist von einer gigantischen unterirdischen Eisenerzmine inmitten der Weite des arktischen Fjälls, der Mix und Konflikt schwedischer und samischer Kultur sowie tiefe winterliche Temperaturen wurden erfahrbar.

 

Betreuer: Prof. Ilka Raupach und Prof. Dr. Christian Stollberg

Foto: Christian Stollberg
Foto: Robert Gustafsson
Foto: Ilka Raupach
Foto: Ilka Raupach
Foto: Ilka Raupach
Foto: Ilka Raupach
Foto: Ilka Raupach

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